Was ist History Marketing?

  • Aktualisiert
  • Veröffentlicht unter History Marketing
  • 23 Minuten zum Lesen

Unternehmensgeschichte als strategischer Wettbewerbsvorteil

Unternehmen können ihre Preise verändern, Produkte weiterentwickeln, Kampagnen kopieren, Technologien einkaufen und selbst erfolgreiche Geschäftsmodelle nachahmen. Einen Bestandteil ihrer Identität können sie jedoch weder erwerben noch von einem Wettbewerber übernehmen: ihre eigene Geschichte. Jede Gründung, jede Innovation, jede wirtschaftliche Krise, jeder Generationenwechsel, jede historische Werbekampagne und jede Entscheidung, die ein Unternehmen über Jahre oder Jahrzehnte geprägt hat, gehört zu einem individuellen historischen Erfahrungsschatz. Genau an dieser Stelle setzt History Marketing an.

History Marketing, im Deutschen häufig als Geschichtsmarketing bezeichnet, ist die strategische Nutzung historischer Substanz für Marketing, Markenführung, Unternehmenskommunikation und weitere Beziehungen eines Unternehmens zu seinen Stakeholdern. Die Unternehmensgeschichte wird dabei nicht lediglich dokumentiert oder chronologisch erzählt. Historische Quellen, Ereignisse, Personen, Produkte, Innovationen, Bilder, Werbemittel und Erinnerungen werden wissenschaftlich recherchiert, eingeordnet und anschließend für aktuelle Kommunikations- und Unternehmensziele nutzbar gemacht.

Damit unterscheidet sich professionelles History Marketing deutlich von einer dekorativen Darstellung alter Fotografien oder einer Firmenchronik, die lediglich anlässlich eines Jubiläums veröffentlicht wird. Im Mittelpunkt steht vielmehr die Frage, welche historisch belegbaren Elemente einer Unternehmens- oder Markengeschichte auch in der Gegenwart Bedeutung besitzen und wie sie glaubwürdig in die Zukunft weitergeführt werden können. Die internationale Forschung zu Corporate Heritage beschreibt diesen Zusammenhang ausdrücklich als Verbindung von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Balmer und Burghausen (2019) argumentieren, dass Corporate Heritage gerade durch diese zeitübergreifende Perspektive einen besonderen Stellenwert innerhalb des Marketings erhält. Vergangenheit wird nicht isoliert betrachtet, sondern als etwas, das im gegenwärtigen Unternehmen fortwirkt und dessen zukünftige Entwicklung beeinflussen kann.

History Marketing ist deshalb weder Nostalgie noch rückwärtsgewandte Werbung. Im besten Fall ist es eine strategische Ressource für Markenidentität, Differenzierung, Glaubwürdigkeit, Content Marketing, interne Kommunikation, Employer Branding und langfristige Unternehmensführung.

Was bedeutet History Marketing?

Eine praktikable Definition lautet: History Marketing bezeichnet die systematische Recherche, Bewertung, Aufbereitung und strategische Nutzung der Geschichte eines Unternehmens, einer Marke, eines Produkts oder einer Organisation für gegenwärtige und zukünftige Kommunikations-, Marken- und Unternehmensziele.

Diese Definition beinhaltet zwei gleichermaßen wichtige Komponenten. Die erste ist historische Forschung. Ohne belastbare Quellen kann aus History Marketing schnell eine konstruierte Werbegeschichte werden. Professionelle Geschichtsarbeit untersucht deshalb beispielsweise Geschäftsberichte, Korrespondenzen, historische Werbung, Produktkataloge, Patente, Fotografien, Filme, Presseberichte, Archivmaterialien, interne Dokumente und Zeitzeugeninterviews. Historische Ereignisse müssen kontextualisiert werden, denn eine Unternehmensentscheidung aus dem Jahr 1920, 1960 oder 1985 kann nicht ohne die wirtschaftlichen, politischen, gesellschaftlichen und technologischen Bedingungen ihrer Zeit verstanden werden.

Die zweite Komponente ist die strategische Übersetzung dieser Erkenntnisse in die heutige Kommunikation. Historische Forschung allein ist noch kein History Marketing. Erst wenn aus den recherchierten Informationen relevante Inhalte für Kunden, Mitarbeiter, Bewerber, Geschäftspartner, Medien oder Öffentlichkeit entstehen, wird Geschichte zu einem aktiven Bestandteil der Unternehmenskommunikation.

Balmer (2013) entwickelte hierfür den Begriff des „Corporate Heritage Marketing“ weiter und verband ihn mit einer umfassenden Betrachtung von Corporate Heritage und Unternehmenskommunikation. Entscheidend ist dabei, dass historisches Erbe nicht ausschließlich über klassische Werbung kommuniziert wird. Es kann sich in Produkten, Unternehmensverhalten, Gebäuden, Symbolen, Markenauftritten, Mitarbeitererzählungen, Museen, Archiven und zahlreichen weiteren Kontaktpunkten ausdrücken.

History Marketing lässt sich deshalb als Schnittstelle von Geschichtswissenschaft, Unternehmensgeschichte, Markenführung und moderner Kommunikation verstehen.

History Marketing, Corporate History und Marketing History sind nicht dasselbe

Die Begriffe werden häufig miteinander vermischt, beschreiben jedoch unterschiedliche Perspektiven.

Corporate History beziehungsweise Unternehmensgeschichte beschäftigt sich mit der historischen Entwicklung eines Unternehmens. Sie fragt beispielsweise danach, wie ein Betrieb entstand, wie Eigentümerstrukturen verändert wurden, welche Produkte entwickelt wurden, welche Krisen das Unternehmen bewältigte oder wie sich Unternehmenskultur und Marktposition entwickelten. Eine professionelle Corporate History basiert auf historischer Forschung und kann in Form wissenschaftlicher Unternehmensgeschichten, Archiven, Chroniken oder Ausstellungen dokumentiert werden.

History Marketing nutzt Ergebnisse dieser historischen Forschung für heutige strategische Ziele. Corporate History liefert damit häufig das Fundament, während History Marketing daraus Kommunikation und Markenarbeit entwickelt.

Marketing History wiederum bezeichnet die historische Erforschung des Marketings selbst. Das Forschungsfeld untersucht beispielsweise die Entwicklung von Werbung, Marken, Einzelhandel, Marktforschung, Produktgestaltung, Vertrieb oder Konsumentenverhalten. Jones und Tadajewski (2016) zeigen im „Routledge Companion to Marketing History“, wie breit dieses Forschungsgebiet inzwischen angelegt ist. Die dort behandelten Themen reichen von antiken und mittelalterlichen Handelspraktiken bis zur Geschichte der Marktforschung, des Brandings, der Verpackung und des Konsums. Marketing History fragt somit danach, wie Marketing historisch entstanden und praktiziert worden ist. History Marketing fragt dagegen, wie Geschichte heute strategisch für ein Unternehmen genutzt werden kann.

Diese Unterscheidung ist nicht nur akademisch. Sie entscheidet darüber, ob historische Inhalte lediglich gesammelt, wissenschaftlich analysiert oder tatsächlich in die strategische Markenkommunikation integriert werden.

Von Unternehmensgeschichte zu Corporate Heritage

Ein weiterer zentraler Begriff ist Corporate Heritage. Nicht jedes Unternehmen, das eine lange Geschichte besitzt, verfügt automatisch über eine strategisch relevante Heritage-Positionierung.

Urde, Greyser und Balmer (2007) identifizieren mehrere Elemente, die für Brand Heritage besonders relevant sind: einen historischen Track Record, Langlebigkeit, über die Zeit erkennbare Kernwerte, Symbole sowie die unternehmensinterne Überzeugung, dass die eigene Geschichte Bedeutung besitzt. Der entscheidende Punkt ist damit nicht allein das Alter einer Marke. Historisches Erbe entsteht dort, wo bestimmte Elemente der Vergangenheit noch heute Identität und Markenversprechen prägen.

Ein Hersteller, der seit 120 Jahren existiert, seine Geschichte jedoch weder kennt noch in seine Identität integriert, besitzt zwar Unternehmensgeschichte, nutzt diese aber möglicherweise nicht als Corporate Heritage. Umgekehrt kann auch ein deutlich jüngeres Unternehmen historische Elemente besitzen, die für seine Identität außerordentlich wichtig sind, etwa eine prägende Gründungsidee, eine technologische Pionierleistung oder einen Wandel, der eine gesamte Branche beeinflusst hat.

Corporate Heritage ist deshalb selektiv. Nicht alles, was geschehen ist, muss Teil der heutigen Marke werden. Die Aufgabe professioneller historischer und strategischer Arbeit besteht darin, herauszufinden, welche Elemente tatsächlich identitätsstiftend sind.

Gerade darin liegt auch ein wichtiger Unterschied zwischen seriösem History Marketing und künstlicher Nostalgie. Die Vergangenheit darf nicht rückwirkend so verändert werden, dass sie perfekt zu einer heutigen Markenbotschaft passt. Historische Glaubwürdigkeit entsteht vielmehr daraus, dass Entwicklungen, Brüche, Erfolge und gegebenenfalls problematische Kapitel nachvollziehbar eingeordnet werden.

Warum Unternehmensgeschichte im Wettbewerb wertvoll ist

In vielen Märkten gleichen sich Produkte und Dienstleistungen immer stärker an. Technologische Funktionen werden kopiert, Produktionsverfahren verbreiten sich international, digitale Geschäftsmodelle lassen sich relativ schnell imitieren und Wettbewerber beobachten permanent gegenseitig ihre Kampagnen. Selbst kreative Inhalte können heute innerhalb kürzester Zeit in zahlreichen Varianten reproduziert werden.

Geschichte besitzt dagegen eine strukturelle Eigenschaft, die für die strategische Differenzierung äußerst wertvoll ist: Sie ist nicht kopierbar.

Ein Wettbewerber kann ein ähnliches Produkt entwickeln. Er kann einen vergleichbaren Claim verwenden, ein ähnliches Design wählen oder dieselben digitalen Vertriebskanäle aufbauen. Er kann jedoch nicht dieselben Gründer, dieselben historischen Patente, dieselben Mitarbeitergenerationen, denselben Unternehmensstandort und dieselben tatsächlich durchlebten historischen Ereignisse besitzen.

Aus diesem Grund kann Unternehmensgeschichte einen sogenannten Differenzierungsraum schaffen, dessen Grundlage nicht in einer kurzfristig entwickelten Werbeidee liegt, sondern in realer historischer Individualität.

Forschungsergebnisse unterstützen die strategische Bedeutung dieser Heritage-Komponente. Wiedmann, Hennigs, Schmidt und Wuestefeld (2011) untersuchten die Wahrnehmung von Brand Heritage unter anderem im Kontext der Automobilindustrie. Ihre Ergebnisse zeigen Zusammenhänge zwischen wahrgenommenem Markenerbe und Einstellungen beziehungsweise Verhaltensweisen von Konsumenten. Brand Heritage kann damit mehr sein als eine ästhetische Ergänzung eines Markenauftritts. Es kann zur Wahrnehmung von Zuverlässigkeit, Beständigkeit und Markenstärke beitragen.

Auch Schmidt et al. (2015) kommen in ihrer für die Conference on Historical Analysis and Research in Marketing veröffentlichten Synthese empirischer Untersuchungen zu dem Ergebnis, dass Corporate Brand Heritage eine wichtige Grundlage für Markenwissen und einen Treiber von Markenwahrnehmung und markenbezogenem Verhalten darstellen kann.

Damit wird Geschichte zu einem Wettbewerbsvorteil, sofern sie nicht nur behauptet, sondern nachvollziehbar belegt und strategisch relevant gemacht wird.

Geschichte schafft Glaubwürdigkeit, wenn sie Belege liefert

Ein zentraler Wert historischen Contents liegt in seiner Beweisfunktion.

Werbung arbeitet traditionell mit Versprechen. Ein Unternehmen erklärt, innovativ, zuverlässig, kundenorientiert oder qualitativ führend zu sein. Solche Aussagen sind leicht formulierbar und deshalb häufig austauschbar.

Historische Quellen ermöglichen eine andere Art von Kommunikation. Ein Unternehmen muss Innovationskraft beispielsweise nicht ausschließlich behaupten, wenn es anhand alter Patente, Produktentwicklungen, technischer Zeichnungen und Marktneuheiten zeigen kann, wie Innovation in verschiedenen Epochen tatsächlich stattgefunden hat.

Auch Erfahrung lässt sich historisch konkretisieren. Die Behauptung „Seit mehr als 100 Jahren stehen wir für Qualität“ bleibt zunächst abstrakt. Eine Geschichte darüber, wie sich Produktionsverfahren über Generationen verändert haben, welche Qualitätsprobleme gelöst wurden und welche Standards daraus entstanden, besitzt wesentlich mehr inhaltliche Substanz.

Gerade diese Verbindung von Behauptung und historischem Beleg macht History Marketing für Markenführung interessant. Herkunft wird vom dekorativen Hintergrund zum Beweismaterial.

Das bedeutet allerdings nicht, dass Langlebigkeit automatisch Qualität beweist. Historische Forschung muss genau an dieser Stelle vorsichtig sein. Dass ein Unternehmen lange existiert, erlaubt zunächst nur die Aussage, dass es über einen längeren Zeitraum fortbestanden hat. Welche Faktoren dafür verantwortlich waren, muss untersucht werden.

Der Wert von History Marketing liegt deshalb gerade nicht darin, aus jedem historischen Detail eine positive Werbebotschaft zu konstruieren. Glaubwürdigkeit entsteht durch nachvollziehbare Evidenz und historische Kontextualisierung.

Ein Beispiel aus der Marketinggeschichte: Lapin Kulta

Wie wichtig historischer Kontext für die Interpretation einer Markengeschichte ist, zeigt eine Untersuchung von Janne Ikäheimo im „Journal of Historical Research in Marketing“. Ikäheimo (2019) analysiert die Entwicklung der finnischen Biermarke Lapin Kulta während der 1960er Jahre und zeigt, dass deren Erfolg nicht allein auf Produktqualität und geschicktes Marketing reduziert werden kann.

Der Markenname „Lapin Kulta“, übersetzt ungefähr „Gold Lapplands“, verband das Produkt mit Vorstellungen von finnischer Natur, Reinheit, geografischer Herkunft und der besonderen kulturellen Bedeutung Lapplands. Gleichzeitig fanden tiefgreifende gesellschaftliche Veränderungen statt. Urbanisierung, zunehmender Tourismus, neue Mobilität und Umweltprobleme beeinflussten die Wahrnehmung jener Naturbilder, mit denen die Marke arbeitete.

Ikäheimos Untersuchung macht damit einen für History Marketing zentralen Punkt sichtbar: Eine starke historische Geschichte entsteht selten aus einem einzelnen Werbemotiv. Marken entwickeln Bedeutung im Zusammenspiel mit gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Bedingungen. Historische Kommunikation, die lediglich alte Kampagnen reproduziert, aber deren Kontext ignoriert, verliert einen wesentlichen Teil ihrer Aussagekraft.

Gerade deshalb ist historische Forschung für professionelles History Marketing unverzichtbar. Sie verhindert, dass nachträglich vereinfachte Unternehmensmythen an die Stelle komplexer historischer Entwicklungen treten. Ikäheimo (2019) unterstreicht ausdrücklich die Bedeutung historischer Kontextrekonstruktion für die Interpretation von Markenerfolg.

History Marketing als Instrument der Markenbildung und Markenführung

Marken entstehen nicht ausschließlich durch Logos, Farben und Kampagnen. Sie entwickeln Bedeutung durch Erfahrungen, Wiederholung, Erinnerungen und langfristige Beziehungen zwischen Unternehmen und Stakeholdern. Geschichte ist deshalb grundsätzlich eng mit Markenbildung verbunden.

Corporate-Heritage-Forschung beschäftigt sich seit den 2000er Jahren intensiver mit dieser Verbindung. Balmer (2017) verweist darauf, dass Corporate Brand, Corporate Identity, Corporate Heritage und Corporate Marketing zunehmend zu etablierten Bereichen der Marketingforschung geworden sind. Die Forschung verschiebt damit den Blick vom einzelnen Produkt auf das Unternehmen als historisch gewachsene Identität.

Für die Markenführung eröffnet diese Perspektive mehrere Möglichkeiten.

Eine Marke kann historische Kontinuität sichtbar machen. Dies ist besonders relevant, wenn sich Produkte und Technologien stark verändern. Historische Kernwerte können eine Verbindung zwischen unterschiedlichen Unternehmensphasen herstellen.

Gleichzeitig kann Geschichte Wandel legitimieren. Ein häufiges Missverständnis lautet, Tradition und Innovation seien Gegensätze. Historische Forschung zeigt jedoch bei vielen langfristig erfolgreichen Unternehmen gerade eine Geschichte permanenter Anpassung. Wenn eine Firma bereits mehrfach technologische Umbrüche, neue Märkte oder Veränderungen des Konsumentenverhaltens bewältigt hat, kann gerade dieser Wandel ein Bestandteil ihrer Heritage werden.

Damit kann History Marketing nicht nur erklären, woher ein Unternehmen kommt. Es kann auch begründen, warum bestimmte zukünftige Entwicklungen zu seiner Identität passen.

Balmer und Burghausen (2019) beschreiben Corporate Heritage deshalb als „omni-temporal“: Relevant ist gerade die Verbindung unterschiedlicher Zeitebenen. Vergangenheit erhält Bedeutung in der Gegenwart und wirkt auf Vorstellungen von Zukunft ein.

Unterschiedliche Strategien der Heritage-Kommunikation

Unternehmen erzählen Geschichte nicht alle auf dieselbe Weise. Eine Untersuchung von Sacco und Conz (2023) analysierte neun bekannte italienische Unternehmen und Marken, darunter Ducati, Fiat, Olivetti, Illy und Amaro Montenegro. Die Autorinnen identifizierten drei grundsätzliche Strategien historischer Kommunikation: Heritage zur Vermittlung von Authentizität, Heritage zur Unterstützung einer Marktführungsposition und Heritage zur Darstellung von Kontinuität.

Diese Differenzierung ist für die Praxis des History Marketings besonders wertvoll. Sie zeigt, dass historische Kommunikation immer eine strategische Frage beantworten sollte.

Bei einem handwerklich geprägten Unternehmen kann Geschichte beispielsweise Authentizität und Herkunft dokumentieren. Bei einem technologieorientierten Unternehmen können historische Innovationen zeigen, dass heutige Entwicklungsfähigkeit Teil einer längeren Tradition ist. Bei Familienunternehmen kann Kontinuität zwischen Generationen im Mittelpunkt stehen. Bei anderen Unternehmen können bestimmte historische Marktleistungen oder Pionierrollen die gegenwärtige Positionierung stützen.

Sacco und Conz (2023) zeigen außerdem, dass sich historische Kommunikationsstrategien sowohl hinsichtlich des Gegenstands der Geschichte als auch hinsichtlich ihres Tonfalls unterscheiden können. Heritage Marketing ist damit keine standardisierte Erzähltechnik, sondern muss zur jeweiligen Unternehmensidentität passen.

History Marketing ist besonders interessant für Familienunternehmen

Familienunternehmen verfügen häufig über eine besondere Verbindung zwischen Unternehmensgeschichte, Eigentümergeschichte und Familiengeschichte. Dadurch entstehen starke historische Ressourcen, aber auch besondere Herausforderungen.

Blombäck und Brunninge untersuchten die Heritage-Kommunikation deutscher und schwedischer Familienunternehmen und zeigen, dass Familiengeschichte und Unternehmensgeschichte auf unterschiedliche Weise miteinander verbunden werden können. Historische Kommunikation kann dabei sowohl für Branding als auch für Organisationsidentität relevant sein.

Neuere Forschung unterstreicht diese Bedeutung. D’Allura et al. (2025) untersuchten über einen längeren Zeitraum mehr als 500 Unternehmen und entwickelten einen Corporate Heritage Index, in den unter anderem Unternehmenswebseite, historisches Archiv, historische Marken, Unternehmenspublikationen, Firmenmuseum und Stiftung einbezogen wurden. Die Studie zeigt, dass die Nutzung historischer Ressourcen in Familienunternehmen eng mit Governance, Generationenstruktur und familiärer Beteiligung zusammenhängen kann.

Für viele mittelständische Unternehmen im deutschsprachigen Raum ist dies besonders relevant. Historisches Wissen befindet sich dort häufig nicht ausschließlich in professionellen Archiven. Es liegt in Fotoalben, Aktenordnern, alten Produktionsunterlagen, Produktmustern, persönlichen Erinnerungen ehemaliger Mitarbeiter oder privaten Beständen der Eigentümerfamilie.

Wird dieses Wissen nicht rechtzeitig gesichert, kann es unwiederbringlich verloren gehen.

History Marketing beginnt deshalb häufig lange vor der eigentlichen Kampagne mit einer Aufgabe, die aus Marketingsicht zunächst unspektakulär erscheint: Quellen sichern.

Unternehmensgeschichte und Mitarbeiteridentifikation

Die Geschichte eines Unternehmens richtet sich nicht nur an Kunden.

Mitarbeiter sind selbst Teil der fortlaufenden Unternehmensgeschichte. Sie arbeiten in Strukturen, verwenden Begriffe, pflegen Routinen und vertreten Werte, deren historische Herkunft ihnen häufig gar nicht bewusst ist. Professionell erschlossene Unternehmensgeschichte kann erklären, warum bestimmte Strukturen entstanden sind und welche Erfahrungen die Organisation geprägt haben.

Eine Studie zu einem dänischen Familienunternehmen untersuchte ausdrücklich die Bedeutung einer Heritage Identity für die Identifikation von Mitarbeitern. Die Forschung zeigt, dass Beschäftigte historische Ereignisse und Werte interpretieren und dabei entscheiden, welche Elemente des Unternehmensvermächtnisses für ihre heutige Identifikation weiterhin relevant sind (2020). Historische Identität wird demnach nicht einfach von der Unternehmensleitung vorgegeben, sondern von Mitarbeitern aktiv interpretiert.

Für interne Kommunikation und Employer Branding ist diese Erkenntnis wichtig. Eine Organisation kann Mitarbeitern ihre Geschichte nicht einfach als fertiges Narrativ übergeben und erwarten, dass daraus automatisch Identifikation entsteht. Glaubwürdige historische Kommunikation sollte unterschiedliche Generationen, Standorte und Perspektiven einbeziehen.

Zeitzeugeninterviews sind deshalb nicht nur Quellen historischer Informationen. Sie können selbst Teil eines internen History-Marketing-Projekts sein. Langjährige Mitarbeiter erhalten eine Stimme, während jüngere Beschäftigte verstehen können, wie sich Arbeitswelt, Technologie und Kultur des Unternehmens verändert haben.

Unternehmensgeschichte kann auf diese Weise institutionelles Gedächtnis schaffen.

History Marketing im Zeitalter künstlicher Intelligenz

Die Entwicklung generativer künstlicher Intelligenz verändert die Kommunikationslandschaft grundlegend. Texte, Bilder, Videos und Stimmen lassen sich inzwischen in sehr kurzer Zeit und in nahezu unbegrenzter Menge produzieren. Damit sinkt die technische Eintrittsbarriere für Content-Produktion erheblich.

Diese Entwicklung macht historische Originalquellen nicht weniger, sondern potenziell wertvoller.

Eine historische Fotografie aus einem Unternehmensarchiv besitzt eine Eigenschaft, die ein generiertes Bild nicht besitzen kann: Sie dokumentiert einen realen Moment. Ein Originalkatalog aus dem Jahr 1928, ein Patent, eine handschriftliche Gründerkorrespondenz, ein historischer Werbefilm oder die Erinnerung eines Mitarbeiters, der eine entscheidende Unternehmensphase selbst erlebt hat, sind Primärquellen.

Ihre kommunikative Stärke liegt nicht nur in ihrer Ästhetik. Sie besitzen Provenienz.

Gerade in einer Umgebung, in der künstlich erzeugte Inhalte immer schwerer von dokumentarischen Inhalten zu unterscheiden sein können, kann nachvollziehbare Herkunft zum Qualitätsmerkmal werden. History Marketing bietet Unternehmen daher die Möglichkeit, einen Content-Bestand aufzubauen, der nicht allein auf generischer Produktion basiert.

Das bedeutet allerdings nicht, dass KI und History Marketing Gegensätze sind. Künstliche Intelligenz kann historische Arbeit an vielen Stellen unterstützen, beispielsweise bei Transkriptionen, Verschlagwortung, Übersetzung, Datenstrukturierung oder der Erschließung großer digitaler Bestände. Entscheidend bleibt jedoch die Quellenkritik. Eine KI kann historische Hypothesen formulieren oder Inhalte strukturieren, sie ersetzt aber nicht die Prüfung von Herkunft, Kontext und Aussagekraft einer Quelle.

Gerade deshalb kann professionelle historische Quellenarbeit zu einem Differenzierungsmerkmal moderner Unternehmenskommunikation werden.

Aus einem Archiv kann ein langfristiges Content-System entstehen

Einer der größten strategischen Vorteile von History Marketing besteht darin, dass historische Recherche nicht nur ein einzelnes Endprodukt erzeugen muss.

Ein gut erschlossenes Unternehmensarchiv kann Ausgangspunkt für zahlreiche Inhalte sein. Eine historische Fotografie kann zunächst Bestandteil einer Archivdatenbank werden. Später kann sie in einem Social-Media-Beitrag auftauchen, in einem Blogartikel analysiert, in einem Jubiläumsvideo verwendet, Bestandteil einer Ausstellung und schließlich Ausgangspunkt eines Zeitzeugeninterviews werden.

Dadurch unterscheidet sich ein professionelles History-Marketing-Projekt von einer einmaligen Jubiläumspublikation.

Historische Recherche erzeugt einen Content-Pool, aus dem Unternehmen über Jahre Themen entwickeln können. Dafür eignen sich beispielsweise Gründungsjahrestage, Produktjubiläen, historische Innovationen, Standortgeschichten, ehemalige Werbekampagnen, prägende Persönlichkeiten, internationale Expansionen oder historische Veränderungen ganzer Branchen.

Digitale Kommunikation erweitert diese Möglichkeiten erheblich. Eine Untersuchung langjährig bestehender Unternehmen zeigt, dass Corporate Heritage heute zunehmend über digitale Narrative auf Unternehmenswebseiten vermittelt wird. Historische Inhalte werden damit vom statischen Archivbestand zu einem Bestandteil digitaler Markenkommunikation (Cannavale et al., 2025).

Für Content Marketing ist dies besonders attraktiv, weil historische Themen häufig langfristig relevant bleiben. Ein gut recherchierter Beitrag über die Entstehung einer bedeutenden Innovation kann auch Jahre nach seiner Veröffentlichung Suchanfragen beantworten und verlinkt werden.

History Marketing kann deshalb gleichzeitig Branding- und Evergreen-Content-Strategie sein.

Unternehmensjubiläen sind ein Anlass, aber nicht der einzige

Traditionell wird Unternehmensgeschichte häufig erst dann relevant, wenn ein Jubiläum bevorsteht. Der 25., 50., 75., 100. oder 150. Geburtstag führt plötzlich zu der Frage, wo alte Fotografien liegen, ob es noch Unterlagen des Gründers gibt und wer die Unternehmensentwicklung eigentlich dokumentieren kann.

Dieser Ansatz verschenkt Potenzial.

Wenn historische Arbeit erst wenige Monate vor einem Jubiläum beginnt, können wichtige Quellen bereits verloren sein. Zeitzeugen sind möglicherweise nicht mehr erreichbar, private Dokumente wurden entsorgt und digitale Daten früherer Systeme existieren nicht mehr.

Professionelles History Marketing betrachtet das Jubiläum deshalb eher als Aktivierungspunkt innerhalb einer langfristigen Strategie.

Ein Firmenjubiläum kann enorme Aufmerksamkeit erzeugen. Seine langfristige Wirkung steigt jedoch, wenn die dafür recherchierten Informationen anschließend weiter genutzt werden. Aus der Jubiläumsrecherche können ein digitales Archiv, eine Themenserie, eine Ausstellung, Podcasts, Videos, Pressegeschichten, Vertriebsunterlagen, Employer-Branding-Inhalte und dauerhaft verfügbare Website-Inhalte entstehen.

Die Investition fließt dann nicht ausschließlich in eine einzelne Feier, sondern in den Aufbau eines historischen Kommunikationsvermögens.

Ein Unternehmen muss nicht 100 Jahre alt sein

History Marketing wird häufig mit sehr alten Traditionsunternehmen gleichgesetzt. Diese Vorstellung greift zu kurz.

Natürlich verfügen Unternehmen mit hundert oder zweihundert Jahren Geschichte über außergewöhnlich umfangreiche historische Ressourcen. Alter allein ist jedoch nicht das entscheidende Kriterium.

Auch ein dreißig Jahre altes Technologieunternehmen kann mehrere fundamentale Technologiewechsel erlebt haben. Ein junges Start-up kann eine außergewöhnliche Gründungsgeschichte besitzen. Ein mittelständischer Betrieb kann eine Produktinnovation entwickelt haben, die eine Nische nachhaltig verändert hat.

Entscheidend ist nicht allein die Zahl der vergangenen Jahre, sondern die historische Relevanz der Ereignisse und ihre Bedeutung für heutige Stakeholder.

Urde, Greyser und Balmer (2007) machen diesen Punkt indirekt deutlich, indem sie Brand Heritage nicht ausschließlich über Langlebigkeit definieren, sondern mehrere Dimensionen betrachten. Track Record, Werte, Symbole und die Bedeutung, die ein Unternehmen seiner eigenen Vergangenheit beimisst, gehören ebenfalls dazu.

History Marketing kann deshalb grundsätzlich auch für jüngere Organisationen sinnvoll sein.

Historische Authentizität ist wichtiger als perfekte Heldengeschichten

Unternehmensgeschichten sind selten lineare Erfolgsgeschichten.

Firmen treffen Fehlentscheidungen. Produkte scheitern. Märkte verschwinden. Eigentümer wechseln. Unternehmen geraten in wirtschaftliche Schwierigkeiten. In bestimmten historischen Epochen können zudem politische Verstrickungen, Zwangsarbeit, Kolonialismus, Diskriminierung oder andere schwerwiegende Fragen relevant werden.

Professionelles History Marketing darf solche Kapitel nicht nachträglich ausblenden, weil sie nicht zur gewünschten Markenbotschaft passen.

Gerade hier trennt sich historische Arbeit von klassischer Werbung.

Corporate Heritage Stewardship bedeutet nach Burghausen und Balmer (2015), dass Manager nicht einfach Eigentümer einer beliebig formbaren Vergangenheit sind. Sie übernehmen eine Form der Verantwortung für den Umgang mit historisch gewachsener Identität. Die Autoren entwickelten diese Perspektive anhand einer empirischen Fallstudie über die traditionsreiche britische Brauerei Shepherd Neame.

Für Unternehmen bedeutet dies: Glaubwürdige History-Kommunikation kann auch Ambivalenzen enthalten.

Ein Unternehmen, das einen Fehler historisch nachvollziehbar einordnet und zeigt, welche Konsequenzen daraus gezogen wurden, kann unter Umständen glaubwürdiger wirken als eines, dessen Vergangenheit ausschließlich aus rückblickend konstruierten Erfolgen besteht.

Die Aufgabe besteht deshalb nicht darin, Geschichte positiv umzuschreiben. Sie besteht darin, relevante Geschichte korrekt zu recherchieren und verantwortungsvoll zu kommunizieren.

Was gutes History Marketing von Nostalgie unterscheidet

Nostalgie kann ein wirkungsvolles kommunikatives Mittel sein. Historische Verpackungen, Retrodesigns und alte Werbemotive können Erinnerungen aktivieren und emotionale Aufmerksamkeit erzeugen.

History Marketing ist jedoch umfassender.

Nostalgie richtet den Blick häufig emotional auf eine idealisierte Vergangenheit. History Marketing sollte dagegen mit historischen Belegen arbeiten und Vergangenheit in Beziehung zur Gegenwart setzen.

Ein altes Produktdesign ist noch keine History-Marketing-Strategie. Erst wenn erklärt wird, warum das Produkt entstand, welche Bedürfnisse es beantwortete, wie es sich entwickelte und welche Bedeutung daraus für die heutige Marke entsteht, gewinnt die historische Darstellung strategische Tiefe.

Auch deshalb ist die Verbindung von historischen Methoden und Marketingkompetenz entscheidend.

Ein Historiker kann die Quellenlage beurteilen, Ereignisse kontextualisieren und problematische Vereinfachungen erkennen. Ein Marketingexperte kann analysieren, welche dieser Erkenntnisse für welche Zielgruppen relevant sind und über welche Formate sie vermittelt werden sollten.

History Marketing benötigt beide Perspektiven.

Wie ein professionelles History-Marketing-Projekt beginnt

Am Anfang sollte nicht die Frage stehen, welches Jubiläumsbuch gestaltet werden soll. Zunächst muss geklärt werden, welche historischen Ressourcen überhaupt vorhanden sind.

Eine Bestandsaufnahme kann Unternehmensarchive, Registraturen, Produktarchive, Foto- und Filmbestände, Markenunterlagen, Werbematerialien, Presseberichte, Geschäftsberichte und private Bestände relevanter Personen umfassen. Hinzu kommen externe Archive, Bibliotheken, Patentdatenbanken, Handelsregister, lokale und regionale Archive, Museen sowie gegebenenfalls internationale Quellen.

Im nächsten Schritt werden historische Themenfelder identifiziert. Welche Entwicklungen haben das Unternehmen geprägt? Welche Personen spielten eine wichtige Rolle? Welche Produkte waren entscheidend? Welche Krisen und Transformationen gab es? Wie hat sich das Verhältnis zu Kunden, Mitarbeitern oder Regionen verändert?

Danach folgt die strategische Bewertung.

Nicht jede interessante Geschichte ist für jede Zielgruppe relevant. Kunden können sich für andere Aspekte interessieren als Mitarbeiter, Investoren, Bewerber oder Fachmedien. Professionelles History Marketing entwickelt deshalb aus dem historischen Material unterschiedliche Kommunikationspfade.

Erst anschließend werden Formate definiert.

Je nach Ziel können daraus eine Corporate-History-Webseite, ein Unternehmensmuseum, ein digitaler Zeitstrahl, ein Buch, eine Ausstellung, eine Social-Media-Serie, eine Podcaststaffel, ein Dokumentarfilm, eine Pressegeschichte, ein Newsletterformat oder ein langfristiger historischer Content Hub entstehen.

History Marketing als Bestandteil moderner Unternehmensstrategie

Die wissenschaftliche Beschäftigung mit Corporate Heritage zeigt, dass Geschichte längst nicht mehr ausschließlich Gegenstand von Jubiläumsbüchern oder Unternehmensarchiven ist. Corporate Heritage hat sich zu einem eigenständigen Forschungsfeld innerhalb von Corporate Marketing, Branding und Unternehmenskommunikation entwickelt.

Balmer (2013) formulierte Corporate Heritage Marketing als eigenständigen Ansatz. Urde, Greyser und Balmer (2007) entwickelten Kriterien zur Identifikation von Heritage Brands. Wiedmann et al. (2011) untersuchten empirisch Wirkungen von Brand Heritage auf Konsumenten. Burghausen und Balmer (2015) analysierten Corporate Heritage Stewardship. Schmidt et al. (2015) fassten empirische Erkenntnisse zur strategischen Bedeutung von Brand Heritage zusammen. Neuere Forschung untersucht zudem die digitale Kommunikation historischer Identität sowie den Einsatz von Heritage insbesondere bei langfristig bestehenden und familiengeführten Unternehmen.

Diese Entwicklung zeigt: Geschichte ist im Marketing kein Randthema mehr.

Sie kann eine Ressource sein, die Markenidentität stabilisiert, Differenzierung ermöglicht, Inhalte schafft, institutionelles Wissen bewahrt und Beziehungen zwischen Unternehmen und unterschiedlichen Generationen von Stakeholdern unterstützt.

Warum History Marketing gerade heute relevant ist

Die paradoxe Situation moderner Kommunikation besteht darin, dass Unternehmen technisch immer leichter Inhalte produzieren können und es dadurch gleichzeitig schwieriger wird, mit diesen Inhalten unverwechselbar zu sein.

Generative KI verstärkt diese Entwicklung.

Wenn Wettbewerber ähnliche Tools nutzen, dieselben Themen beobachten und ihre Kommunikation auf dieselben Plattformen ausrichten, steigt die Gefahr inhaltlicher Gleichförmigkeit. Authentische historische Quellen bieten hierzu einen Gegenpol.

Kein Sprachmodell kann die konkrete Unternehmensgeschichte eines Betriebes ersetzen. Es kann über sie schreiben, wenn entsprechende Informationen vorhanden sind. Es kann jedoch nicht nachträglich die Originalfotografie einer Werkhalle von 1932, das Entwicklungsprotokoll eines Ingenieurs, einen historischen Produktkatalog oder die persönliche Erinnerung einer Mitarbeiterin erschaffen und zugleich behaupten, diese seien authentische historische Quellen.

Genau darin liegt eine der großen Chancen des History Marketings.

Unternehmen verfügen häufig bereits über einzigartige Inhalte. Sie erkennen sie nur nicht als Content.

In Archiven, Kellern, Serverstrukturen, Fotoalben, alten Broschüren und Erinnerungen ehemaliger Mitarbeiter liegen Materialien, die kein Wettbewerber reproduzieren kann. Professionelle historische Recherche macht diese Ressourcen auffindbar. Content Marketing übersetzt sie in relevante Geschichten. Markenführung verbindet sie mit der heutigen Identität.

So wird Vergangenheit zu einem strategischen Vermögenswert.

Fazit: History Marketing macht Geschichte für die Zukunft nutzbar

History Marketing bedeutet nicht, ein Unternehmen möglichst alt erscheinen zu lassen. Es bedeutet auch nicht, Geschichte so umzuschreiben, dass sie perfekt zu einer aktuellen Kampagne passt.

Professionelles History Marketing beginnt mit Recherche.

Es untersucht historische Quellen, rekonstruiert Zusammenhänge und trennt belegbare Fakten von nachträglichen Unternehmensmythen. Anschließend identifiziert es jene Elemente der Geschichte, die für heutige und zukünftige Stakeholder Bedeutung besitzen.

Daraus kann ein Wettbewerbsvorteil entstehen, der sich grundlegend von vielen anderen Marketingressourcen unterscheidet: Er basiert auf etwas, das tatsächlich geschehen ist.

Produkte können kopiert werden. Technologien können sich verbreiten. Kommunikationsformate können übernommen werden. Eine authentische Unternehmensgeschichte bleibt individuell.

Gerade deshalb kann History Marketing Markenbildung, Markenführung, Unternehmenskommunikation, Employer Branding und Content Marketing miteinander verbinden. Es schafft Themen, die nicht künstlich erfunden werden müssen, sondern bereits vorhanden sind. Es kann Mitarbeitern Orientierung geben, Kunden die Herkunft einer Marke erklären und zeigen, wie ein Unternehmen mit Veränderungen, Innovationen und Krisen umgegangen ist.

Die Vergangenheit wird dadurch nicht zum Selbstzweck.

Sie wird zu einer Ressource für die Gegenwart und zu einem Bestandteil der Zukunft einer Marke.

Literaturverzeichnis

Balmer, J.M.T. (2013) ‚Corporate heritage, corporate heritage marketing, and total corporate heritage communications: What are they? What of them?‘, Corporate Communications: An International Journal, 18(3), pp. 290-326. doi: 10.1108/CCIJ-05-2013-0031.

Balmer, J.M.T. (2017) ‚Advances in corporate brand, corporate heritage, corporate identity and corporate marketing scholarship‘, European Journal of Marketing, 51(9/10), pp. 1462-1471. doi: 10.1108/EJM-07-2017-0447.

Balmer, J.M.T. and Burghausen, M. (2019) ‚Marketing, the past and corporate heritage‘, Marketing Theory, 19(2), pp. 217-227. doi: 10.1177/1470593118790636.

Blombäck, A. and Brunninge, O. (2013) ‚The dual opening to brand heritage in family businesses‘, Corporate Communications: An International Journal, 18(3), pp. 327-346. doi: 10.1108/CCIJ-01-2012-0010.

Burghausen, M. and Balmer, J.M.T. (2015) ‚Corporate heritage identity stewardship: a corporate marketing perspective‘, European Journal of Marketing, 49(1/2), pp. 22-61. doi: 10.1108/EJM-03-2013-0169.

Cannavale, C., Sorrentino, A., Venturini, L. and Napolitano, M.R. (2025) ‚Exploring corporate heritage through digital narrative. A cross-cultural thematic analysis of Henokiens‘ websites‘, Sinergie Italian Journal of Management. doi: 10.7433/s128.2025.11.

D’Allura, G.M., Quarato, F., Dagnino, G.B. and Merlo, E. (2025) ‚Detecting the key role of the family in explaining corporate heritage use in family firms‘, Journal of Management and Governance, 29, pp. 635-667. doi: 10.1007/s10997-024-09709-9.

Ikäheimo, J. (2019) ‚The freshness of the fell streams: contextualizing the success of Lapin Kulta Beer in the 1960s‘, Journal of Historical Research in Marketing, 11(2), pp. 165-180. doi: 10.1108/JHRM-02-2018-0006.

Jones, D.G.B. and Tadajewski, M. (eds.) (2016) The Routledge Companion to Marketing History. Abingdon: Routledge.

Sacco, F. and Conz, E. (2023) ‚Corporate heritage communication strategies of iconic Italian brands: a multiple case study‘, Corporate Communications: An International Journal, 28(7), pp. 19-43. doi: 10.1108/CCIJ-12-2021-0136.

Schmidt, S., Hennigs, N., Wuestefeld, T., Langner, S. and Wiedmann, K.-P. (2015) ‚Brand Heritage as Key Success Factor in Corporate Marketing Management: A Review and Synthesis of Recent Empirical Studies‘, Proceedings of the Conference on Historical Analysis and Research in Marketing, 17.

Urde, M., Greyser, S.A. and Balmer, J.M.T. (2007) ‚Corporate brands with a heritage‘, Journal of Brand Management, 15(1), pp. 4-19. doi: 10.1057/palgrave.bm.2550106.

Wiedmann, K.-P., Hennigs, N., Schmidt, S. and Wuestefeld, T. (2011) ‚Drivers and outcomes of brand heritage: Consumers‘ perception of heritage brands in the automotive industry‘, Journal of Marketing Theory and Practice, 19(2), pp. 205-220.