Die vollständige Checkliste für ein erfolgreiches Unternehmensjubiläum
Ein Firmenjubiläum beginnt nicht mit der Auswahl einer Eventlocation und auch nicht mit der Gestaltung eines Jubiläumslogos. Die wichtigste Frage wird häufig viel zu spät gestellt: Was soll nach dem Jubiläum vom Jubiläumsjahr übrig bleiben?
Ein 25-, 50-, 75-, 100- oder 150-jähriges Unternehmensjubiläum ist einer der seltenen Zeitpunkte, an denen sich Mitarbeiter, Kunden, Geschäftspartner, Eigentümer, Medien und Öffentlichkeit gleichzeitig für die Geschichte eines Unternehmens interessieren können. Für wenige Monate entsteht ein natürlicher Anlass, über Herkunft, Leistungen, Veränderungen, Krisen, Innovationen und Zukunft zu sprechen. Unternehmen, die diesen Moment ausschließlich mit einem Festakt begehen, nutzen deshalb nur einen kleinen Teil seines Potenzials.
Ein strategisch geplantes Firmenjubiläum verbindet Unternehmensgeschichte, Corporate Heritage, Markenführung, interne Kommunikation, Public Relations, Content Marketing, Employer Branding und Eventkommunikation. Es blickt zurück, ohne rückwärtsgewandt zu sein. Die Geschichte erklärt, warum das Unternehmen heute dort steht, wo es steht, und bildet gleichzeitig eine Brücke zur zukünftigen Entwicklung.
Dass Firmenjubiläen eine besondere Rolle für die Aktivierung von Unternehmensgeschichte spielen, wird inzwischen auch in der Forschung zu Corporate Heritage berücksichtigt. D’Allura et al. (2025) beziehen Jubiläumsaktivitäten ausdrücklich in ihren Corporate Heritage Index ein, mit dem die Nutzung historischen Erbes durch Unternehmen untersucht wird. Die Autoren weisen zudem darauf hin, dass bereits das 25-jährige Bestehen häufig den ersten bedeutenden Anlass darstellt, an dem Unternehmen ihre eigene Geschichte systematischer betrachten.
Ein Firmenjubiläum sollte deshalb nicht als einzelnes Event verstanden werden. Es ist ein zeitlich begrenztes strategisches Kommunikationsprojekt mit einer historischen Grundlage.
Die folgende Checkliste erklärt Schritt für Schritt, wie Unternehmen ein Firmenjubiläum planen, welche Vorbereitungszeit sinnvoll ist, welche historischen Quellen benötigt werden, wie eine Jubiläumsstrategie entsteht, welche Kommunikationsmaßnahmen möglich sind und wie aus einem einzigen Jubiläumsjahr Inhalte entstehen können, die weit über den eigentlichen Jahrestag hinaus Wert besitzen.
Warum ein Firmenjubiläum mehr als eine Feier ist
Unternehmen feiern Jubiläen seit langer Zeit. Historisch betrachtet waren Festschriften, Gedenkpublikationen, Ausstellungen und Festveranstaltungen wichtige Formen unternehmerischer Selbstdarstellung. Bühl-Gramer (2018) weist darauf hin, dass Unternehmen bereits seit mehr als einem Jahrhundert bedeutende Jubiläen zum Anlass nehmen, ihre Geschichte zu verschriftlichen und in Broschüren oder Festschriften zu veröffentlichen. Diese historischen Darstellungen dienten nicht nur der Dokumentation für spätere Generationen, sondern häufig auch dazu, Gründer, Produkte, Leistungen und die Entwicklung der Organisation öffentlich zu präsentieren.
Die Digitalisierung hat die Möglichkeiten erheblich erweitert. Eine Unternehmensgeschichte muss heute nicht mehr in einer Festschrift enden. Historische Inhalte können dauerhaft auf Websites, in digitalen Archiven, Videos, Podcasts, Social Media, virtuellen Ausstellungen und interaktiven Timelines weiterleben.
Damit verändert sich auch die strategische Bedeutung eines Jubiläums.
Ein Firmenjubiläum kann gleichzeitig mehrere Zielgruppen erreichen. Langjährige Mitarbeiter erinnern sich an frühere Unternehmensphasen. Jüngere Mitarbeiter lernen Zusammenhänge kennen, die vor ihrer eigenen Betriebszugehörigkeit liegen. Kunden erfahren, welche Kompetenzen über Jahrzehnte entstanden sind. Medien erhalten historische Geschichten und Bildmaterial. Bewerber lernen die Unternehmenskultur aus einer anderen Perspektive kennen. Geschäftspartner werden Teil einer gemeinsamen Geschichte.
Die historische Forschung zu History Marketing zeigt allerdings, dass Unternehmensgeschichte nicht automatisch glaubwürdig wird, nur weil sie alt ist. Historische Kommunikation bewegt sich zwischen dokumentierter Geschichte und strategischer Selbstdarstellung. Gerade Jubiläen verstärken diese Spannung, weil Unternehmen naturgemäß dazu neigen, positive Ereignisse hervorzuheben.
Ein professionelles Firmenjubiläum benötigt deshalb eine belastbare historische Grundlage.
Firmenjubiläum planen: Wie früh sollte die Vorbereitung beginnen?
Der häufigste strategische Fehler besteht darin, zu spät anzufangen.
Wer zwölf Monate vor dem 100-jährigen Firmenjubiläum feststellt, dass eine Chronik, ein Film, eine Ausstellung, eine Website und Zeitzeugeninterviews benötigt werden, kann zwar noch zahlreiche Maßnahmen realisieren. Historische Forschung lässt sich jedoch nicht beliebig beschleunigen.
Dokumente müssen gefunden und bewertet werden. Archive können unerschlossen sein. Fotografien besitzen möglicherweise keine Beschriftungen. Nutzungsrechte müssen geklärt werden. Ehemalige Mitarbeiter müssen identifiziert und kontaktiert werden. Externe Archive besitzen Bearbeitungszeiten. Wissenschaftliche Unternehmensgeschichten benötigen Recherche und Quellenkritik.
Deshalb sollte bei größeren Jubiläen idealerweise etwa zwei bis drei Jahre vor dem Jubiläumsjahr eine erste Bestandsaufnahme beginnen. Bei kleineren Projekten kann der Zeitraum deutlich kürzer sein. Entscheidend ist nicht allein die Größe des Unternehmens, sondern der geplante Umfang.
Ein Unternehmen, das lediglich eine interne Jubiläumsveranstaltung durchführen möchte, benötigt einen anderen Vorlauf als ein Unternehmen, das seine Geschichte erstmals wissenschaftlich erforschen, ein Archiv aufbauen, einen Film produzieren, eine Ausstellung entwickeln und ein ganzjähriges Kommunikationsprogramm durchführen möchte.
Inglin (2015) beschreibt anhand des 100-jährigen Jubiläums der US-Aktivitäten der Zurich Insurance Group einen integrierten Jubiläumsansatz. Ausgangspunkt waren nicht einzelne Kommunikationsmittel, sondern zunächst Geschichten aus der Unternehmensgeschichte. Diese bildeten anschließend die Grundlage für Marketingmaßnahmen, Reden, Publikationen, Ausstellungen, Videos und digitale Kommunikation. Das Beispiel verdeutlicht, warum die historische Recherche vor der Medienproduktion stehen sollte.
Die erste Regel der Checkliste lautet daher: Je historischer und strategischer das Jubiläum werden soll, desto früher muss die Planung beginnen.
Phase 1: Anlass und historisches Jubiläumsdatum überprüfen
Bevor ein Jubiläumslogo mit einer Zahl gestaltet wird, sollte zunächst geklärt werden, ob das Jubiläumsdatum historisch tatsächlich korrekt ist.
Das klingt selbstverständlich, ist es aber nicht.
Unternehmen können mehrere mögliche Gründungsdaten besitzen. Relevant können die Aufnahme der Geschäftstätigkeit, die Gewerbeanmeldung, die Eintragung ins Handelsregister, die Gründung einer Vorgängergesellschaft, die Einführung einer Marke oder die Entstehung eines später übernommenen Unternehmens sein.
Fusionen und Übernahmen machen die Situation zusätzlich komplex.
Ein heutiges Unternehmen kann beispielsweise 1985 gegründet worden sein, aber eine Marke besitzen, deren Geschichte bis 1920 zurückreicht. Eine Unternehmensgruppe kann aus mehreren Vorgängerunternehmen entstanden sein, deren Gründungsjahre unterschiedlich sind.
Brunninge (2023) zeigt anhand sogenannter „invented corporate heritage brands“, wie problematisch konstruierte historische Kontinuitäten werden können. Unternehmen und Organisationen können ihre Geschichte verlängern oder historische Verbindungen hervorheben, deren tatsächliche Kontinuität fragwürdig ist. Gerade ein Jubiläum sollte deshalb historisch belastbar datiert werden.
Die erste historische Recherche sollte beantworten: Welches Ereignis wird eigentlich gefeiert? Welche organisatorische Kontinuität besteht zwischen damals und heute? Gibt es Vorgängerunternehmen? Gab es Unterbrechungen, Fusionen oder Eigentümerwechsel? Seit wann existiert die heutige Marke?
Erst danach sollte die Jubiläumszahl festgelegt werden.
Phase 2: Projektorganisation und Verantwortlichkeiten festlegen
Ein größeres Unternehmensjubiläum berührt fast zwangsläufig mehrere Abteilungen.
Geschäftsführung, Marketing, Unternehmenskommunikation, HR, Vertrieb, Eventmanagement, Rechtsabteilung, Markenmanagement, IT und gegebenenfalls ein Unternehmensarchiv können beteiligt sein. Bei Familienunternehmen kommen Eigentümerfamilie und Familienarchive hinzu.
Deshalb benötigt das Projekt frühzeitig eine klare Governance.
Es sollte eine zentrale Projektleitung geben, die Entscheidungen koordiniert. Zusätzlich empfiehlt sich ein interdisziplinäres Kernteam. Geschäftsführung und Eigentümer sollten frühzeitig definieren, welche strategische Bedeutung das Jubiläum besitzt und welche Themen besonders wichtig sind.
Gleichzeitig sollte eine fachliche Verantwortung für historische Inhalte festgelegt werden.
Das ist entscheidend. Historische Aussagen dürfen nicht ausschließlich danach ausgewählt werden, ob sie kommunikativ attraktiv sind. Jemand muss dafür verantwortlich sein, Quellen zu prüfen, Datierungen zu verifizieren und historische Zusammenhänge korrekt einzuordnen.
Bei größeren Projekten kann zusätzlich ein wissenschaftlicher Beirat sinnvoll sein, insbesondere wenn politisch oder gesellschaftlich sensible Phasen der Unternehmensgeschichte untersucht werden.
Ein Projektplan sollte anschließend Recherche, Strategie, Kreation, Produktion, interne Abstimmung, Rechteklärung, technische Umsetzung, Veranstaltungen und Veröffentlichung miteinander verzahnen.
Phase 3: Ziele des Firmenjubiläums definieren
Erst jetzt sollte die Frage gestellt werden, was das Jubiläum erreichen soll.
Ein Unternehmensjubiläum kann sehr unterschiedliche strategische Aufgaben erfüllen. Es kann die Marke stärken, Mitarbeiter einbinden, Kundenbeziehungen vertiefen, die Unternehmensgeschichte erstmals systematisch dokumentieren, eine Nachfolge begleiten, internationale Standorte verbinden, Medienaufmerksamkeit erzeugen oder eine neue strategische Phase markieren.
Diese Ziele müssen priorisiert werden.
Ein Firmenjubiläum mit Schwerpunkt Employer Branding benötigt andere Inhalte als ein Jubiläum, das vor allem technologische Kompetenz demonstrieren soll. Ein B2B-Maschinenbauer wird andere historische Geschichten benötigen als eine Konsumgütermarke.
Das Jubiläum sollte deshalb nicht mit dem Satz beginnen: „Wir brauchen ein Fest, einen Film und eine Chronik.“
Besser lautet die Frage: „Was soll sich durch das Jubiläum bei unseren wichtigsten Stakeholdern verändern?“
Erst danach werden Formate ausgewählt.
Das Beispiel Enel zeigt, wie breit ein Jubiläum angelegt werden kann. Martino und Lovari (2014) untersuchten die integrierte Kommunikationskampagne zum 50-jährigen Bestehen des Energiekonzerns. Sie richtete sich nicht ausschließlich an Kunden, sondern bezog interne Community, Aktionäre, Institutionen, Medien sowie nationale und internationale Zielgruppen ein. Das Jubiläum wurde damit zu einer Public-Relations- und Stakeholder-Kampagne statt zu einem einzelnen Festakt.
Phase 4: Historischen Quellenbestand erfassen
Nun beginnt die eigentliche historische Grundlagenarbeit.
Viele Unternehmen unterschätzen, wie umfangreich ihre Geschichte bereits dokumentiert ist. Gleichzeitig überschätzen sie häufig die Qualität der vorhandenen Ordnung.
Historische Materialien können sich im Unternehmensarchiv, in Keller- und Lagerräumen, in Büros ehemaliger Geschäftsführer, auf alten Servern, bei der Eigentümerfamilie, in Marketingabteilungen oder bei pensionierten Mitarbeitern befinden.
Relevant sind beispielsweise Geschäftsberichte, Protokolle, Verträge, Korrespondenzen, Produktkataloge, Preislisten, Werbeanzeigen, Broschüren, Verpackungen, Fotografien, Filme, Tonaufnahmen, Patente, technische Zeichnungen, Mitarbeiterzeitschriften, Presseberichte und historische Produkte.
Auch digitale Materialien müssen berücksichtigt werden.
Websites, digitale Kampagnen, Newsletter, Social-Media-Beiträge, Produktvideos und digitale Fotografien gehören zur jüngeren Unternehmensgeschichte und können erstaunlich schnell verloren gehen.
D’Allura et al. (2025) berücksichtigen in ihrer Untersuchung zur Nutzung von Corporate Heritage unter anderem Unternehmenswebsites, historische Archive, historische Marken, Unternehmenspublikationen, Firmenmuseen und Stiftungen. Die Studie verdeutlicht, wie unterschiedlich die institutionellen Formen sein können, in denen Unternehmen ihr historisches Erbe bewahren und kommunizieren.
Für das Jubiläum sollte daraus zunächst ein Quellenkataster entstehen.
Was existiert? Wo befindet es sich? Wem gehört es? In welchem Zustand ist es? Ist es digitalisiert? Sind Urheber- und Nutzungsrechte bekannt? Welche Zeiträume sind gut dokumentiert und wo bestehen Lücken?
Diese Bestandsaufnahme ist häufig eine der wertvollsten Investitionen des gesamten Jubiläumsprojekts.
Phase 5: Externe Archive und Quellen recherchieren
Unternehmensgeschichte befindet sich nicht ausschließlich im Unternehmen.
Stadtarchive, Staatsarchive, Wirtschaftsarchive, Bibliotheken, Museen, Patentarchive, Handelsregister, Zeitungsarchive, Rundfunkarchive und wissenschaftliche Sammlungen können wichtige Quellen enthalten.
Auch ehemalige Kunden, Lieferanten und Geschäftspartner können historisches Material besitzen.
Besonders bei älteren Unternehmen ist externe Recherche unverzichtbar. Interne Bestände können durch Kriege, Brände, Umzüge, Fusionen oder frühere Aktenvernichtung verloren gegangen sein.
Historische Presseberichte sind zudem wichtig, weil sie eine externe Perspektive liefern. Unternehmenspublikationen zeigen, wie eine Organisation sich selbst darstellen wollte. Zeitungen, Branchenzeitschriften und andere externe Quellen können zeigen, wie sie tatsächlich wahrgenommen wurde.
Für eine glaubwürdige Corporate History sollten beide Perspektiven zusammengeführt werden.
Phase 6: Zeitzeugen identifizieren, bevor Wissen verloren geht
Ein Jubiläum ist häufig der letzte sinnvolle Zeitpunkt, um bestimmte Generationen von Mitarbeitern systematisch zu befragen.
Ein Unternehmen, das sein 75-jähriges Bestehen feiert, kann möglicherweise noch Menschen interviewen, die seit den 1960er- oder 1970er-Jahren dort tätig waren. Zehn Jahre später kann dieses Wissen verloren sein.
Zeitzeugeninterviews sollten deshalb früh geplant werden.
Dabei geht es nicht nur um ehemalige Geschäftsführer. Produktionsmitarbeiter, Vertriebler, Ingenieure, Sekretariate, Auszubildende, Betriebsräte, Kunden oder Familienmitglieder können völlig unterschiedliche Perspektiven auf dieselbe Unternehmensphase liefern.
Oral History ist allerdings keine Sammlung objektiver Fakten. Erinnerungen verändern sich. Ereignisse werden im Rückblick anders interpretiert. Deshalb sollten Interviews mit schriftlichen und bildlichen Quellen abgeglichen werden.
Gleichzeitig besitzen Zeitzeugen einen kommunikativen Wert, den Akten nicht bieten können.
Eine persönliche Erinnerung kann später Bestandteil eines Films, Podcasts, Social-Media-Beitrags, Buches oder einer Ausstellung werden. Ein sorgfältig geführtes Interview erzeugt damit sowohl historische Quelle als auch potenzielles Content-Material.
Phase 7: Historische Due Diligence durchführen
Spätestens jetzt muss eine unbequeme Frage gestellt werden: Welche Kapitel der Unternehmensgeschichte könnten problematisch sein?
Ein Jubiläum erhöht Aufmerksamkeit. Damit steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass Journalisten, Mitarbeiter oder Öffentlichkeit historische Fragen stellen.
Je nach Alter und Branche können dazu die Zeit des Nationalsozialismus, Zwangsarbeit, Arisierung, Kolonialismus, Rüstungsgeschäfte, Umweltbelastungen, Arbeitskonflikte, Korruptionsfälle, Diskriminierung oder andere kontroverse Themen gehören.
Diese Fragen sollten nicht erst untersucht werden, nachdem eine kritische Medienanfrage eingegangen ist.
Bühl-Gramer (2018) zeigt anhand der digitalen Geschichtsdarstellungen deutscher DAX-Unternehmen, dass insbesondere die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus erhebliche Unterschiede aufweist. Ältere Jubiläumspublikationen konnten solche Kapitel stark verkürzt behandeln, während spätere Unternehmensgeschichten teilweise wesentlich kritischer damit umgingen.
Professionelles History Marketing benötigt deshalb eine historische Due Diligence.
Welche kritischen Themen existieren? Wie ist die Quellenlage? Welche Forschung gibt es bereits? Welche Aussagen können sicher getroffen werden? Wo bestehen Unsicherheiten?
Ein Jubiläum darf nicht zur nachträglichen Glättung problematischer Geschichte werden.
Glaubwürdigkeit entsteht nicht dadurch, dass ausschließlich positive Ereignisse erzählt werden, sondern dadurch, dass ein Unternehmen seine Geschichte kennt.
Phase 8: Die zentrale Jubiläumserzählung entwickeln
Nach der historischen Recherche beginnt die strategische Verdichtung.
Eine Chronologie ist noch keine Geschichte.
Zwischen möglicherweise Tausenden historischen Informationen müssen jene Themen identifiziert werden, die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sinnvoll miteinander verbinden.
Das kann beispielsweise Innovationsfähigkeit sein. Ein anderes Unternehmen kann Kontinuität über Generationen betonen. Bei einem Familienunternehmen kann Unternehmertum im Mittelpunkt stehen. Bei einem internationalen Unternehmen können Expansion und kultureller Austausch prägend sein.
Wichtig ist, dass diese Themen aus der Geschichte hervorgehen.
Sie sollten nicht zuerst von einer Werbeagentur entwickelt und anschließend rückwirkend mit historischen Beispielen gefüllt werden.
Das aktuelle 150-jährige Jubiläum von Henkel im Jahr 2026 verdeutlicht die Zukunftsorientierung eines solchen Ansatzes. Das Unternehmen begeht das Jubiläumsjahr unter dem Motto „Future? Ready!“ und verbindet seine Geschichte mit Pioniergeist, Innovationskraft und Verantwortung. Gleichzeitig richtet Henkel Aktivitäten und Leistungen ausdrücklich auch an seine Mitarbeiter (Henkel, 2026).
Das Beispiel zeigt: Eine Jubiläumserzählung muss nicht „150 Jahre Tradition“ lauten.
Sie kann Geschichte als Ausgangspunkt für eine Zukunftsaussage verwenden.
Phase 9: Jubiläumsclaim und visuelle Identität entwickeln
Erst wenn die inhaltliche Leitidee steht, sollte daraus die kreative Identität entstehen.
Jubiläumslogo, Claim, Key Visual, Typografie, Bildsprache und gegebenenfalls Soundelemente sollten die historische und strategische Idee unterstützen.
Dabei muss nicht zwangsläufig ein vollständig neues Erscheinungsbild entstehen.
Ein gutes Jubiläumsdesign sollte mit dem bestehenden Corporate Design kompatibel sein und gleichzeitig für einen begrenzten Zeitraum einen eigenständigen Wiedererkennungswert schaffen.
Historisches Material kann Teil der visuellen Identität werden. Alte Signets, Produktformen, Verpackungen, Schriftzüge oder Fotografien können aufgegriffen werden, sofern dies gestalterisch und rechtlich sinnvoll ist.
Entscheidend ist wiederum Authentizität.
Ein historisch wirkendes Design, das keinerlei Verbindung zur tatsächlichen Unternehmensgeschichte besitzt, ist Retrodesign, aber noch kein History Marketing.
Phase 10: Mitarbeiter frühzeitig einbeziehen
Ein Unternehmensjubiläum sollte nicht zuerst außerhalb des Unternehmens stattfinden.
Mitarbeiter haben die Geschichte mitgeschrieben und schreiben sie weiter.
Deshalb sollte interne Kommunikation früh beginnen. Mitarbeiter können Quellen beitragen, Fotos identifizieren, Geschichten erzählen und Kontakte zu ehemaligen Kollegen herstellen.
Gerade in dezentralen Unternehmen kann ein Jubiläum helfen, unterschiedliche Standorte und Generationen miteinander zu verbinden.
Das 2026 begangene 150-jährige Jubiläum von Henkel ist hierfür ein aktuelles Beispiel. Das Unternehmen kündigte weltweit Initiativen und Veranstaltungen sowie besondere Anerkennung und Leistungen für Beschäftigte an. Die Jubiläumskommunikation verbindet damit die historische Entwicklung ausdrücklich mit der heutigen Belegschaft (Henkel, 2026).
Auch das 100-jährige Jubiläum des Familienunternehmens ARBURG stellt Mitarbeiter, Kunden und Partner in den Mittelpunkt der historischen Erzählung. Das Unternehmen betont, dass ein Jahrhundert Unternehmensgeschichte nicht die Leistung einer einzelnen Person sei, sondern vieler Menschen, die den Weg begleitet haben (ARBURG, o. J.).
Für die Jubiläumsplanung bedeutet das: Mitarbeiter sollten nicht nur Gäste der Feier sein.
Sie sollten Akteure der Geschichte sein.
Phase 11: Ein Content-System statt einzelner Maßnahmen planen
Hier liegt eines der größten Potenziale von History Marketing.
Eine historische Recherche kann gleichzeitig Material für zahlreiche Kommunikationskanäle erzeugen.
Ein Zeitzeugeninterview kann als Langfassung archiviert werden. Daraus entsteht eine Podcastfolge. Ein zweiminütiger Ausschnitt wird zum Video. Ein Zitat wird auf LinkedIn veröffentlicht. Ein historisches Foto aus dem Gespräch erscheint in einem Blogbeitrag. Die gleiche Geschichte wird Bestandteil einer Ausstellung.
Dadurch steigt der Wert der historischen Recherche erheblich.
Das von Inglin (2015) beschriebene Zurich-Beispiel arbeitete mit historischen Geschichten als gemeinsamer Grundlage für Marketing, Reden, Publikationen, Ausstellungen, Videos und Web.
Ein vergleichbares Prinzip zeigt das schwedische Beispiel Swedbank. Zum 200-jährigen Jubiläum der schwedischen Sparkassenidee wurde eine Jubiläumszeitschrift erstellt und in schwedischer und englischer Sprache an Mitarbeiter verschickt. Darauf aufbauend entstand eine Podcastserie, in der historische Entwicklungen mit heutigen Herausforderungen verbunden wurden. Die Inhalte wurden mit der übergeordneten Jubiläumskampagne synchronisiert (Centrum för Näringslivshistoria, o. J.).
Genau darin liegt der Unterschied zwischen einer Maßnahme und einer Content-Architektur.
Phase 12: Jubiläumswebsite und SEO früh planen
Eine eigene digitale Jubiläumsplattform kann langfristig wesentlich mehr leisten als eine temporäre Eventseite.
Sie kann eine chronologische Unternehmensgeschichte, Themengeschichten, historische Persönlichkeiten, Produkte, Fotografien, Videos, Zeitzeugen, Presseinformationen und digitale Ausstellungen zusammenführen.
Aus SEO-Sicht sollte diese Plattform nicht ausschließlich für das Jubiläumsjahr entwickelt werden.
Historische Inhalte besitzen häufig Evergreen-Potenzial. Menschen suchen auch Jahre später nach Unternehmensgründern, historischen Produkten, Marken, Erfindungen und Unternehmensgeschichte.
Eine gut strukturierte historische Website kann deshalb dauerhaft organischen Suchtraffic erzeugen und gleichzeitig zu einer zitierfähigen Quelle für Journalisten, Wissenschaftler und zunehmend auch KI-basierte Suchsysteme werden.
Entscheidend sind klare Quellen, eindeutige Datierungen, strukturierte Überschriften, beschreibende Bildtexte und eigenständige Inhalte.
Das Jubiläum sollte daher als Gelegenheit genutzt werden, historisches Wissen dauerhaft digital verfügbar zu machen.
Phase 13: Jubiläumsfilm, Podcast und Social Media aus den Quellen entwickeln
Bewegtbild eignet sich besonders gut, wenn historische Filme, Fotografien, Produkte und Zeitzeugen vorhanden sind.
Ein Jubiläumsfilm sollte jedoch nicht aus einer Folge von Jahreszahlen bestehen.
Stärker wirkt eine dramaturgische Frage: Welche Herausforderung musste das Unternehmen bewältigen? Welche Menschen haben etwas verändert? Welche Innovation hat einen Wendepunkt ausgelöst?
Podcasts ermöglichen wiederum längere Gespräche und eignen sich für Zeitzeugen, Historiker, ehemalige Führungskräfte oder Experten.
Social Media kann die Geschichte über das gesamte Jubiläumsjahr verteilen.
Ein historisches Foto pro Woche ist dabei nur der Anfang. Interessanter sind Serien: „Die Innovationen, die uns verändert haben“, „Menschen unserer Geschichte“, „Produkte aus dem Archiv“, „Damals und heute“ oder „Entscheidende Wendepunkte“.
Wichtig ist, dass jeder Inhalt auf recherchierten Quellen basiert.
Phase 14: Jubiläumsbuch oder Firmenchronik richtig einordnen
Das klassische Jubiläumsbuch besitzt weiterhin Berechtigung.
Es sollte allerdings nicht automatisch das Zentrum jedes Jubiläums sein.
Inglin (2015) formuliert seine Kritik bereits provokant im Titel seines Beitrags: „Don’t Waste your Money! Forget the Jubilee Book!“ Seine eigentliche Aussage richtet sich weniger gegen Bücher als gegen einen isolierten Ansatz, bei dem ein Unternehmen viel Geld in eine einmalige Publikation investiert, ohne die historische Recherche für weitere Kommunikation zu verwenden.
Eine hochwertige Firmenchronik kann außerordentlich wertvoll sein, insbesondere wenn sie wissenschaftlich recherchiert und langfristig als Referenzwerk verwendet wird.
Die Recherche sollte jedoch medienneutral organisiert werden.
Texte, Bildmaterial, Interviews und Quellen sollten so strukturiert werden, dass sie zusätzlich für Web, Presse, Social Media, Film und Ausstellungen verwendet werden können.
Ein Buch ist dann ein Produkt des History-Marketing-Projekts und nicht dessen gesamter Zweck.
Phase 15: Ausstellung und Firmenmuseum prüfen
Historische Originalobjekte besitzen eine kommunikative Kraft, die digitale Inhalte nicht vollständig ersetzen können.
Produkte, Maschinen, Prototypen, Verpackungen, Dokumente und Fotografien schaffen physische Nähe zur Geschichte.
Eine temporäre Jubiläumsausstellung kann deshalb Teil des Festakts, eines Kundenevents oder eines Messestands sein.
Bei umfangreichen Sammlungen kann das Jubiläum außerdem Anlass sein, ein dauerhaftes Corporate Museum oder eine historische Präsentation am Unternehmensstandort aufzubauen.
Die Ausstellung sollte jedoch nicht nur Objekte zeigen.
Besucher benötigen Kontext. Warum ist dieses Produkt wichtig? Welches Problem löste es? Was veränderte sich dadurch?
History Marketing verwandelt Gegenstände erst durch Kontext in Geschichten.
Phase 16: PR und Medienarbeit mit historischen Themen vorbereiten
„Unternehmen X wird 100 Jahre alt“ ist eine Nachricht.
Aber häufig keine besonders starke Geschichte.
Medien benötigen Themen.
Deshalb sollte die historische Recherche gezielt nach Geschichten suchen, die über das Unternehmen hinaus gesellschaftliche oder wirtschaftliche Relevanz besitzen.
Wie veränderte eine Technologie eine Branche? Welche Rolle spielte das Unternehmen für eine Region? Wie wandelten sich Arbeitsplätze? Wie entwickelte sich ein Produkt, das heute selbstverständlich erscheint?
Historische Fotografien und Archivmaterial erhöhen zusätzlich den redaktionellen Wert.
Ein Jubiläum bietet damit die Möglichkeit, Unternehmensgeschichte mit Branchen-, Technik-, Sozial- oder Regionalgeschichte zu verbinden.
Phase 17: Den eigentlichen Jubiläumstag als Höhepunkt, nicht als Gesamtprojekt verstehen
Natürlich gehört zu vielen Firmenjubiläen eine Feier.
Aber sie sollte der Höhepunkt eines größeren Projekts sein.
Die Veranstaltung kann historische Ausstellung, Film, Zeitzeugen, Produktpräsentationen, Mitarbeitergeschichten und Zukunftsperspektiven zusammenführen.
Die Dramaturgie sollte wiederum der zentralen Jubiläumserzählung folgen.
Das historische Beispiel des 50-jährigen Automobiljubiläums von 1935 und 1936 zeigt, wie Jubiläen schon früh kommunikativ inszeniert wurden. Grosse-Boerger (2013) untersucht anhand von Daimler-Benz-Archivmaterial, wie Rennsportgeschichte, technischer Fortschritt und das Automobiljubiläum miteinander verbunden wurden. Gleichzeitig macht der Fall deutlich, dass Jubiläumskommunikation immer in ihrem politischen und gesellschaftlichen Kontext betrachtet werden muss. Die Inszenierung fand im nationalsozialistischen Deutschland statt und war mit dessen Propagandaumfeld verflochten.
Das Beispiel ist deshalb auch eine Warnung: Jubiläumskommunikation ist niemals historisch neutral.
Phase 18: Rechte, Datenschutz und Freigaben klären
Historische Inhalte sind nicht automatisch frei verwendbar.
Bei Fotografien, Filmen, Musik, Werbematerialien und Publikationen müssen Urheber- und Nutzungsrechte geprüft werden.
Auch Persönlichkeitsrechte können relevant sein.
Zeitzeugeninterviews sollten mit klaren Einwilligungen zur vorgesehenen Nutzung durchgeführt werden.
Bei Archivalien aus externen Sammlungen müssen Reproduktions- und Veröffentlichungsbedingungen geklärt werden.
Diese Arbeit sollte früh beginnen.
Ein hervorragendes historisches Foto, das kurz vor Veröffentlichung aufgrund ungeklärter Rechte entfernt werden muss, kann komplette Gestaltungskonzepte gefährden.
Phase 19: Budget nicht nur für die Feier kalkulieren
Ein strategisches Jubiläumsbudget sollte mehrere Bereiche unterscheiden.
Dazu gehören historische Recherche und Archivarbeit, Strategie und Projektmanagement, Gestaltung, Content-Produktion, digitale Umsetzung, Publikationen, Film und Fotografie, Veranstaltungen, PR, interne Kommunikation sowie gegebenenfalls Ausstellungen.
Auch Digitalisierung und langfristige Archivierung sollten berücksichtigt werden.
Das ist wichtig, weil gerade diese Investitionen nach dem Jubiläum weiterwirken können.
Eine Veranstaltung endet am Abend.
Ein strukturiertes digitales Archiv kann Jahrzehnte genutzt werden.
Phase 20: Erfolgskriterien vor dem Jubiläum definieren
Der Erfolg eines Firmenjubiläums lässt sich nicht allein an der Gästezahl messen.
Welche Kennzahlen sinnvoll sind, hängt von den Zielen ab.
Bei interner Kommunikation können Teilnahme, Nutzung historischer Inhalte oder qualitative Mitarbeiterbefragungen relevant sein. Für PR können Medienberichte und deren Qualität ausgewertet werden. Digitale Projekte können über organischen Traffic, Verweildauer, Downloads und Interaktionen gemessen werden.
Auch langfristige Ergebnisse sind relevant.
Wurde ein nutzbares Unternehmensarchiv aufgebaut? Wurden Zeitzeugeninterviews dauerhaft gesichert? Existiert nach dem Jubiläum eine zitierfähige Corporate-History-Plattform? Kann Marketing weiterhin auf historische Inhalte zugreifen?
Ein gutes Jubiläum hinterlässt Infrastruktur.
Phase 21: Nach dem Jubiläum nicht alles abschalten
Am 1. Januar nach dem Jubiläumsjahr sollte die Unternehmensgeschichte nicht wieder im Keller verschwinden.
Historische Inhalte können dauerhaft für Employer Branding, Onboarding, Vertrieb, Kundenkommunikation, Social Media, PR und Markenführung genutzt werden.
Genau darin liegt der Unterschied zwischen Jubiläumsmarketing und langfristigem History Marketing.
D’Allura et al. (2025) zeigen, dass Unternehmen Corporate Heritage über unterschiedliche institutionelle Instrumente dauerhaft verankern können, beispielsweise historische Archive, Publikationen, Unternehmensmuseen, historische Marken und digitale Kommunikation.
Das Jubiläum kann deshalb der Beginn einer professionellen Heritage-Strategie sein.
Die kompakte Firmenjubiläum-Checkliste
Vor dem Start sollte geklärt sein: Ist das Jubiläumsdatum historisch korrekt? Gibt es Vorgängerunternehmen, Fusionen oder Marken, die gesondert betrachtet werden müssen? Wer trägt die Projektverantwortung? Welche Ziele und Stakeholder stehen im Mittelpunkt? Welche historischen Quellen existieren intern und extern? Welche Zeitzeugen müssen jetzt interviewt werden? Gibt es sensible historische Kapitel? Welche zentrale Geschichte verbindet Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft? Welche Inhalte werden für Mitarbeiter, Kunden, Medien und Öffentlichkeit entwickelt? Welche Formate sollen dauerhaft weiterleben? Sind Rechte und Freigaben geklärt? Gibt es einen realistischen Zeit- und Budgetplan? Wie wird der Erfolg gemessen? Und vor allem: Was bleibt nach dem Jubiläumsjahr bestehen?
Wenn diese Fragen beantwortet sind, entsteht aus einem Geburtstag ein strategisches History-Marketing-Projekt.
Warum History Marketing der geeignete Partner für Ihr Firmenjubiläum ist
Ein Unternehmensjubiläum benötigt mehr als Eventmanagement und klassische Werbung. Es braucht historische Recherche, Quellenkritik, strategische Markenführung und die Fähigkeit, aus wissenschaftlich belastbaren Informationen Inhalte für moderne Kommunikationskanäle zu entwickeln. Genau an dieser Schnittstelle arbeitet History Marketing. Wir verbinden Unternehmensgeschichte und Corporate Heritage mit Content Marketing, SEO, Storytelling und digitaler Kommunikation. Statt lediglich einen Festakt oder eine Chronik zu produzieren, entwickeln wir aus Ihrer Unternehmensgeschichte eine integrierte Jubiläumsstrategie: von der historischen Recherche und Aufbereitung von Archivmaterial über die zentrale Jubiläumserzählung bis zu Website, Social Media, Podcast, Video, Ausstellung, PR und weiteren Formaten. Ziel ist ein Firmenjubiläum, das die Vergangenheit authentisch dokumentiert, Mitarbeiter und Stakeholder einbindet, die Marke differenziert und historische Inhalte schafft, die auch nach dem Jubiläumsjahr weiter genutzt werden können.
Fazit: Ein erfolgreiches Firmenjubiläum beginnt in der Vergangenheit und endet in der Zukunft
Ein Firmenjubiläum ist einer der wenigen Kommunikationsanlässe, den ein Wettbewerber nicht kopieren kann.
Die Geschichte gehört ausschließlich dem Unternehmen, das sie erlebt hat.
Genau deshalb sollte ein Jubiläum nicht auf eine Zahl, ein Logo und eine Abendveranstaltung reduziert werden.
Die historische Recherche kann verschüttetes Wissen sichern. Zeitzeugen können Erfahrungen weitergeben, bevor diese verloren gehen. Archive können erschlossen und digitalisiert werden. Historische Produkte und Innovationen können zeigen, welche Kompetenzen über Jahrzehnte entstanden sind. Mitarbeiter können erkennen, welchen Anteil unterschiedliche Generationen am heutigen Unternehmen besitzen.
Gleichzeitig entstehen daraus Inhalte für moderne Kommunikation.
Das Beispiel Zurich zeigt, wie historische Geschichten für Publikationen, Ausstellungen, Videos, Web, Reden und Marketing gleichzeitig genutzt werden können (Inglin, 2015). Enel demonstrierte, wie ein Firmenjubiläum unterschiedliche Stakeholder in eine integrierte Kommunikationskampagne einbeziehen kann (Martino und Lovari, 2014). Die aktuelle 150-Jahr-Feier von Henkel zeigt wiederum, wie ein traditionsreiches Unternehmen sein Jubiläum ausdrücklich mit einer Zukunftsperspektive verbindet (Henkel, 2026).
Diese Beispiele verdeutlichen eine zentrale Regel erfolgreichen History Marketings:
Ein Firmenjubiläum sollte nicht nur erzählen, wie lange ein Unternehmen existiert.
Es sollte erklären, warum diese Geschichte heute Bedeutung besitzt.
Dafür müssen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft miteinander verbunden werden. Die Vergangenheit liefert Fakten, Erfahrungen, Menschen, Originale und Geschichten. Die Gegenwart entscheidet, welche davon heute relevant sind. Die Zukunft beantwortet die Frage, wofür das Unternehmen diese Erfahrungen weiter nutzen möchte.
Wer sein Firmenjubiläum so plant, feiert nicht lediglich einen Jahrestag.
Er verwandelt Unternehmensgeschichte in einen langfristigen Wert für Marke, Mitarbeiter und Kommunikation.
Literaturverzeichnis
ARBURG (o. J.) ‚100 years of the Hehl family company‘. Lossburg: ARBURG GmbH + Co KG.
Brunninge, O. (2023) ‚Invented corporate heritage brands‘, Journal of Brand Management, 30, pp. 157-169. doi: 10.1057/s41262-022-00304-7.
Bühl-Gramer, C. (2018) ‚History Marketing online – DAX trifft Geschichte‘, Public History Weekly, 6(15). doi: 10.1515/phw-2018-11508.
D’Allura, G.M., Quarato, F., Dagnino, G.B. and Merlo, E. (2025) ‚Detecting the key role of the family in explaining corporate heritage use in family firms‘, Journal of Management and Governance, 29, pp. 635-667. doi: 10.1007/s10997-024-09709-9.
Grosse-Boerger, J. (2013) ‚Racing and the Motorization of the German People: 50 Years of the Automobile at the 1935 and 1936 Berlin Auto Shows‘, Proceedings of the Conference on Historical Analysis and Research in Marketing, 16.
Henkel (2026) ‚150 years of Henkel: Henkel kicks-off its anniversary year‘, 19 January 2026. Düsseldorf: Henkel AG & Co. KGaA.
Inglin, T. (2015) ‚Don’t Waste your Money! Forget the Jubilee Book! The Case for an Integrated Anniversary Approach: A Corporate Archivist’s View‘, in Bieri, A. (ed.) Crisis, Credibility and Corporate History. Liverpool: Liverpool University Press, pp. 89-94. doi: 10.5949/liverpool/9781781381373.003.0009.
Jones, D.G.B. and Tadajewski, M. (eds.) (2016) The Routledge Companion to Marketing History. Abingdon: Routledge.
Martino, V. and Lovari, A. (2014) ‚Enel’s 50 years of energy, millions of moments‘, in Turk, J.V., Valin, J. and Paluszek, J. (eds.) Public Relations Case Studies from Around the World. New York: Peter Lang, pp. 39-67.

